Joerg-Rudolph.de - Videoprojekt "Recht hast du"

Titel des Films: Der Spielplatz soll nicht abgerissen

Ein Videoprojekt im Rahmen der Projektwoche der Grundschule Schelmengraben in Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftszentrum Schelmengraben: 08. Mai - 12. Mai 2000.

die Idee

Dieses Jahr werden in Wiesbaden die UN - Kinderrechte ganz groß geschrieben. Und auch in diesem Jahr sollte es an der Grundschule Schelmengraben wieder eine Projektwoche der dritten und vierten Klassen geben. "Was liegt da näher, als ein Projekt zu den Rechten der Kinder zu machen ? " - dachten wir uns. Doch da wir Erwachsene längst nicht alle Kinderrechte kannten, mussten wir zu Anfang einiges darüber lesen. Über 40 Rechte für Kinder waren in der UN - Kinderrechtskonvention verankert. Ob die Kinder über alle ihre Rechte Bescheid wussten?
Wir entwickelten einen Plan.

der Plan

Die Kinder bekamen fünf Tage Zeit und eine Videokamera sollte ihnen bei der Entdeckungsreise zu den Kinderrechten helfen. Am ersten Tag versuchten wir gemeinsam mit elf Kindern in unserer Gruppe herauszufinden, welche speziellen Rechte Kinder haben und warum es sie gibt. Das Recht auf Sport, Spiel und Erholung wählten die Kinder aus und entschieden, zu diesem Thema einen Film zu drehen.

der Film

Das sagt sich so leicht : "Wir machen einen Film !" Doch bevor die Kinder und wir beginnen konnten, musste erst einmal eine Story entwickelt werden. Ein Spielplatz sollte abgerissen werden. "Ja, und was passiert dann ?" Es war schwierig die vielen Ideen der Kinder unter einen Hut zu bringen. Uns rauchte der Kopf vom vielen Denken und die Beine wurden schon ganz unruhig. Ob die Geschichte wirklich ohne Abstriche im Drehbuch realisierbar werden würde ? Doch nach einer Stunde hatten wir ein fertiges Drehbuch. Das dauert aber lange, werdet ihr denken, doch in einem Drehbuch muss zum Beispiel stehen, an welchem Ort welche SchauspielerInnen auftreten.

Nun mussten nur noch die Hauptrollen für die SchauspielerInnen verteilt und ein Kameramann bzw. eine Kamerafrau gefunden werden, dann konnte es losgehen. Uns blieben zweieinhalb Drehtage für den Film.

die Geschichte

Sie beginnt auf einem Kinderspielplatz irgendwo im Schelmengraben. Eine Gruppe von Kindern spielen und toben, nichts scheint das muntere Treiben zu stören. Bis einer der Jungen eine Unterhaltung von zwei erwachsenen Besuchern belauscht. Sie unterhalten sich darüber, dass ein Bauherr das Gelände des Spielplatzes gekauft hat und in den nächsten Tagen damit beginnen will, ein Haus zu bauen. Der Spielplatz soll abgerissen werden. Benjamin erzählt die Geschichte den anderen, alle regen sich furchtbar darüber auf und verabreden sich für den nächsten Tag.

Am folgenden Tag ist der Spielplatz bereits abgesperrt, ein Bauarbeiter hat mit dem Abriss begonnen. Die Kinder fragen Ihn was los sei und erfahren, dass der Spielplatz abgerissen werden soll. Ein Anruf bei der Polizei bestätigt dies. Die Kinder beschliessen etwas dagegen zu unternehmen, besorgen sich zu Hause Ketten und Stricke und stürmen den Spielplatz. Sie Ketten sich an einem Schaukelgestell fest und verkünden lautstark ihren Unmut über den Abriss.

Der Bauarbeiter verständigt seinen Chef. Der kommt zusammen mit der Polizei und dem Bürgermeister zum Spielplatz und beide versuchen das Problem zu lösen. Da sie sich nicht einigen können und der Bürgermeister auf der Seite der Kinder steht, sehen sich die Parteien vor Gericht wieder.

Das Gericht hört beide Parteien an; der Bauherr beharrt auf seinem Recht als Eigentümer, der Bürgermeister auf dem Recht der Kinder auf Raum zum spielen. Plötzlich stürmen die Kinder in den Gerichtssaal, sie haben ein Buch mit den Kinderrechten gefunden. Die Richterin zieht sich zurück und verkündet später ihr Urteil:

Der Bauherr darf auf seinem Grundstück ein neues Haus bauen, der alte Spielplatz wird abgerissen. Er wird aber dazu verpflichtet an einem anderen Ort im Schelmengraben einen neuen Spielplatz zu bauen. Die Kinder freuen sich und feiern auf dem neuen Spielplatz eine Party.

die Drehtage

Keines von den Kindern hatte gedacht, dass die einzelnen Szenen zwei,- drei,- oder sogar viermal gedreht werden müssten. Und der Polizei oder dem Bürgermeister war es manchmal ganz schön langweilig, denn sie mussten nicht in jeder Szene auftreten. Es ist eben nicht jede Minute aufregend und spannend, wenn man einen Film dreht ! Zum Abschluss eines Drehtages sahen wir uns das gedrehte Material an und über so manchen Ausrutscher mussten wir alle zusammen lachen. Am Ende fand es jede/r toll, sich selbst im Film zu sehen und immerhin war es für alle das erste Mal.

der Schnitt

Es war leider im Rahmen der kurzen Zeit nicht möglich, die Kids am Schnitt des fertigen Filmes zu beteiligen.

So haben wir am Mittwoch damit begonnen, Schnittprotokolle anzufertigen und die abgedrehten Szenen zu sichten. Was war okay? Was muss noch nachgedreht werden? Und welche Schilder müssen zum besseren Verständnis in den Film reingeschnitten werden? Der Zusammenschnitt des Materials nahm den kompletten Donnerstag Nachmittag und Abend in Anspruch, das fertige Ergebnis entschädigte aber für die viele Arbeit.

die Präsentation

Die Projektwoche endete für alle Projekte, auch für uns, mit der Präsentation am Freitag nachmittag. Nachdem technische Schwierigkeiten überwunden waren, konnten sich mehr als vierzig Eltern, Kinder und Lehrer das Ergebnis bei der ersten öffentlichen Aufführung betrachten.

die Mitwirkenden

Elf SchülerInnen der Grundschule Schelmengraben:

Agata, Nahrin, Janine, Mirzet, Thomas, Wilhelm, Benjamin, Yaprak, Nahro, Vincent und Samira

und zwei MitarbeiterInnen des Gemeinschaftszentrum Schelmengraben:

Claudia Tragsdorf und Jörg Rudolph

Besonderem Dank gilt dem Kinderschutzbund für die Überlassung des Materialkoffers, dem Kinderzentrum Gewerbeschule für die Verkleidungs"säcke" und dem Medienzentrum Wiesbaden für das Kamera-Equipment.

Jörg Rudolph, GMZ Schelmengraben | 10/2001