Diplomarbeit: Vergewaltigung in der Ehe
Homepage | Last Update: 09/2003
1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der möglichen Strafbarkeit der ehelichen Vergewaltigung unter besonderer Berücksichtigung historischer und rechtspolitischer Gesichtspunkte. Die Problematik ist in der jüngsten Vergangenheit verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt, neue Gesetzentwürfe wurden von allen Parteien in Bundestag und Bundesrat zur Diskussion gestellt. Wichtigstes Ziel einer Reform der sexuellen Gewaltdelikte (§§ 177, 178 und 179 StGB) ist die Strafbarkeit der Ehegattenvergewaltigung nach § 177 StGB.

Diese Arbeit beschreibt anhand der historischen Entwicklung, warum im geltenden Recht zwischen ehelicher und nichtehelicher Vergewaltigung unterschieden wird, aus welchen Gründen eine Reform in den letzten Jahren gescheitert ist und wie eine Reform konkret aussehen könnte. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt hierbei klar auf den rechtlichen und politischen Gesichtspunkten, die Opfer von männlicher sexueller Gewalt, dürfen dabei aber nie vergessen werden.

Deshalb werden im ersten Teil dieser Arbeit verschiedene Definitionen, Erklärungsmodelle, und Ursachen (Kapitel 2) für Vergewaltigung an Frauen beschrieben. Diese theoretischen Grundlagen erleichtern das Verständnis der Vergewaltigungstat mit ihren Ursachen und Auswirkungen auf Opfer, Täter und Rechtsprechung als Teil der Gesellschaft.

Im Anschluß wird in einem rechtsgeschichtlichen Überblick (Kapitel 3) die Entwicklung des strafrechtlichen Vergewaltigungsbegriffs und die Entwicklung bis hin zum heute anerkannten Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung aufgezeigt. In einer historischen Abfolge werden Rechtsgut, Gewaltbegriff und eine mögliche Strafbarkeit der Ehegattenvergewaltigung in den jeweiligen Epochen untersucht, um das Verständnis der gegenwärtigen Rechtslage und der aktuellen Reformdiskussion zu erleichtern.

Eine Analyse der gegenwärtigen Rechtslage (Kapitel 4) soll zum einen den Vergewaltigungstatbestand des § 177 StGB erläutern, der die Grundlage einer Reform der Sexualdelikte bildet. Zum anderen werden die für die eheliche Vergewaltigung relevanten Auffangtatbestände nach Rechtsgüterschutz, Strafmaß und Tatmittel untersucht, um die Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer Sanktionierung der Ehegattenvergewaltigung im gegenwärtigen Recht zu verdeutlichen.

Versuche dieses Recht zu ändern, gibt es in Form verschiedener Gesetzentwürfe seit über zwanzig Jahren. Das Thema wird sporadisch im Bundestag, in Ausschüssen oder der Rechtswissenschaft behandelt, überwiegend unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die unterschiedlichen Argumente, die Für und Wider die Strafbarkeit der ehelichen Vergewaltigung sprechen, sollen im folgenden erörtert werden (Kapitel 5). Zu unterscheiden sind hier rein rechtliche Begründungen, Schwierigkeiten, die sich aus einer Pönalisierung ergeben, sowie rechtsvergleichende, empirische und verfahrenstechnische Erwägungen.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der beiden vorhergehenden Kapitel werden im Anschluß konkrete Vorschläge zur Reformierung des Sexualstrafrechts vorgestellt und bewertet (Kapitel 6). Das schließt die Bestrafung der ehelichen Vergewaltigung ein und wird ergänzt durch weitere Reformvorschläge, die insgesamt auf eine umfassende Reform der § 177 ff. StGB abzielen. Die Frage, wann sich der nötige politische Wille bildet, um einen mehrheitsfähigen Kompromiß zu finden, läßt sich heute noch nicht absehen. Überfällig ist diese Strafrechtsänderung schon lange, mit ihr würde eine jahrhunderte alte Diskriminierung der Frauen im allgemeinen und von Ehefrauen im besonderen beseitigt, sie darf deshalb nicht länger hinausgezögert werden.

Abschließend möchte ich erwähnen, daß ich Begriffe, wie z.B. "Täter" und "Opfer" so verwende, wie es im deutschen Sprachgebrauch üblich ist, damit der Lesefluß erhalten bleibt. Die Begriffe "Täter", "Opfer", "Rechtsanwalt" oder "Richter" schließen sowohl das männliche als auch das weibliche Geschlecht in den jeweiligen Rollen ein, insofern die Definitionen der einzelnen Tatbestände dies zulassen. Sind ausdrücklich männliche oder weibliche Opfer bzw. Täter gemeint, ist dies in der vorliegenden Arbeit kenntlich gemacht.

Um weiterhin dem Leser einen direkten und unkomplizierten Zugriff auf die verwiesenen Gesetzesparagraphen zu ermöglichen, sind diese im Anhang "D" aufgeführt.

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© Jörg Rudolph, 2003